Dezember2003 - Musiktheater Amsterdam
Im Zuge einer Modernisierung der elektrischen Ausrüstungdes Musiktheaters Amsterdam sollte auch die Versorgung der überHubwinden höhenverstellbaren Beleuchtungstraversen erneuert werden.Die bisherige Versorgung erfolgte über separate Leitungen fürdie Energieversorgung und Leitungen für Datenübertragung. DieLeitungen mussten von Hand von dem über der Bühne befindlichenRollenboden herabgelassen und wieder hochgehoben werden. Die nicht benötigtenLeitungslängen mussten auf dem Gitterboden des Rollenbodens abgelegtwerden und stellten eine nicht unerhebliche Unfallquelle dar.
Um diese Unfallquelle auszuschalten, hat man sich dazu entschlossendie neue Versorgung über 17 Motorleitungstrommeln der Fa. Stemmann-TechnikGmbH zu realisieren.
Besondere Anforderungen an die Motorleitungstrommeln sind:
1.Kein Datenaustausch zwischen den Motorleitungstrommeln und den Hubwerkender Beleuchtungstraversen
2.Der Leitungszug muss über dem gesamten Hubweg annäherndkonstant bleiben.
3.Die Motorleitungstrommeln müssen in einem Automatikbetrieb betriebenwerden können, d.h. die Trommelbewegung passt sich der Hubbewegung der Beleuchtungstraverse an, und in einem Handbetrieb, d.h. die von der Beleuchtungstraverse getrennte Leitung kann über Taster auf- undabgewickelt werden.
4.Die elektrische Schaltung muss selbständig erkennen, ob sie imAutomatik- oder Handbetrieb tätig sein muss.
5.Eine kombinierte Leitung für Energie- und Datenübertragung
Um diese recht hohen Anforderungen an die Motorleitungstrommeln bzw.deren Antriebsmotoren und elektrischen Ansteuerungen realisieren zu können,konnte nicht auf die herkömmlichen Antriebsvarianten zurückgegriffenwerden. Aus diesem Grunde hat man eine Lösung mit einem Servo-Motormit entsprechender elektrischer Steuerung ausgewählt. Bei dieserAntriebslösung ist es möglich durch das Zusammenspiel von elektrischerSteuerung und Antriebsmotor, die während des Betriebes herunterhängendeLeitungslänge zu erfassen und dem Antriebsmotor ein bestimmtes Drehmomentvorzugeben. So konnte die konstante Zugkraft realisiert werden. Im Handbetriebermöglicht es der Antrieb, die Leitung mit einer vorher festgelegtenkonstanten Hubgeschwindigkeit auf- bzw. abzuwickeln. Die automatischeUmschaltung von Hand– in Automatikbetrieb erfolgt durch das Einsteckendes am Ende der trommelbaren Leitung befindlichen Steckers in die Beleuchtungstraverse.Beim Einstecken des Steckers werden Kontakte ausgelöst, die überSteueradern in der trommelbaren Leitung mit der elektrische Steuerunggekoppelt sind und die Umschaltung bewirken.
Als trommelbare Leitung ist eine Hybridleitung eingesetzt. Bei der Leitunghandelt es sich um eine Sonderanfertigung mit 5 Adern 25 qmm fürdie Ernergieversorgung, 3 Adern 1,5 qmm für die Verbindung der elektrischenSteuerung mit dem Stecker und 6 LWL Fasern für die Datenübertragung.
Um die ganze Fläche der Bühne abdecken zu können, sinddie Motorleitungtrommeln zusammen mit den dazugehörigen elektrischenSteuerungen in einem Rahmen installiert. Die Rahmen wiederum sind inTräger eingehangen und können von Hand verschoben werden. Insgesamtsind 6 dieser Trägerbahnen mit bis zu 4 Motorleitungstrommeln überdem Rollenboden angebracht. Die elektrische Stromversorgung zu den Motorleitungstrommelnerfolgt über Schleifleitungen.
Es sind aber nicht nur die 17 Motorleitungstrommeln von Stemmann-Technikeingesetzt worden, sondern es sind auch 20 Federleitungstrommeln im Kellerunter der Bühne für die Versorgung beweglicher Verbraucherauf der Bühne installiert. Weitere 10 Federleitungstrommeln versorgendie Panoramastative mit Energie und Daten. Bei den Panoramastativen handeltes sich um Gestelle für Scheinwerfer, die höhenverstellbaran den seitlichen Bühnenwänden angebracht sind.
Mittlerweile sind die Maßnahmen zur Modernisierungabgeschlossen und die Premiere für die Leitungstrommeln der Stemmann-TechnikGmbH hat erfolgreich stattgefunden.